Vortragsreihe des Medizin Campus Bodensee

Meckenbeuren (MCB) Einmal im Monat wird der „Kulturschuppen“ am Bahnhof in Meckenbeuren bei „Medizin am Gleis“, einer Vortragsreihe des Medizin Campus Bodensee (MCB), zum Treffpunkt von Ärzten und interessierten Menschen.

Rund 80 Zuhörer kamen am Mittwoch zum Themenabend „Zeit ist Hirn“, bei dem Dr. Jan-Gerrit Geisler, leitender Oberarzt der Klinik für Gefäßmedizin und Gefäßchirurgie, und Professor Dr. Roman Huber, Chefarzt der Klinik für Neurologie des Klinikums Friedrichshafen, über Ursachen, Symptome und Therapien des Schlaganfalls sprachen.

Schlaganfall dritthäufigste Todesursache

Mit einem Foto von Churchill, Roosevelt und Stalin begann Professor Huber seinen Vortrag. „Alle drei Politiker sind an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Heute ist er in Deutschland nach Herzinfarkt und Krebserkrankung mit zirca 250.000 Fällen die dritthäufigste Todesursache.“ Damit ist der Schlaganfall nicht nur die häufigste Ursache von Langzeitmorbidität und persönlichem Leiden, sondern auch mit hohen Kosten für die Gesellschaft verbunden.

Plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn

Ursache eines Schlaganfalls ist eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn. „Ist die Blutzufuhr unterbrochen, stört das bereits nach kürzester Zeit die Funktion der Nervenzellen im betroffenen Hirnbereich und kann zu ihrem Absterben führen“, so Professor Huber. Ein Gefäßverschluss ist mit 85 bis 90 Prozent die häufigste Ursache eines Schlaganfalls. Dabei verstopft ein Blutgerinnsel ein Hirngefäß. Nur in zehn bis 15 Prozent der Fälle ist eine Hirnblutung der Auslöser.

Plötzliches Auftreten

Typische Ausfallerscheinungen in Folge eines Schlaganfalls sind Sprachstörungen, Lähmungen und Sehstörungen. „Hauptmerkmal eines Schlaganfalls ist sein plötzliches Auftreten. Er kann sich innerhalb von Minuten entwickeln“, informierte Professor Huber. Eine Tabelle zeigte, wie ernst der Spruch „Zeit ist Hirn“ zu nehmen ist. Sterben in einer Minute 1,9 Millionen Neuronen ab, sind es in einer Stunde bereits 120 Millionen. Die Statistik sagt, dass jede weitere Stunde bis zum Einleiten medizinischer Maßnahmen den Patienten im Schnitt um 3,6 Jahre altern lässt. „Das heißt, die Behandlung des Schlaganfalls muss unbedingt als Notfall erfolgen“, betonte der Chefarzt.

Wie erkennt man einen Schlaganfall?

Aber wie erkennt man überhaupt einen Schlaganfall? Professor Huber erläuterte den FAST-Test: Das Wort FAST, also „schnell“, steht für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache), welche bei einem Schlaganfall immer mit betroffen sind, und Time (Zeit). Ein einfaches Lächeln sollte sich ohne asymmetrischen Mund zeigen. Der Patient sollte seine Arme gleichzeitig heben und mit nach oben gedrehten Handflächen nach vorne strecken können. Außerdem sollte seine Sprache nicht verwaschen klingen und er sollte keine Silben vertauschen. „Hat der Betroffene mit einer dieser Aufgaben Probleme, zählt jede Minute.“

Auslöser des Schlaganfalls

Häufigster Auslöser eines Schlaganfalls ist die Arteriosklerose, hervorgerufen durch Risikofaktoren wie hoher Blutdruck, Diabetes, erhöhte Cholesterinwerte, Rauchen und Bewegungsarmut. „Außerdem können Herzrhythmusstörungen einen Schlaganfall nach sich ziehen“, erläuterte Dr. Jan-Gerrit Geisler. Neben der Diagnostik in der „Stroke Unit“, eine spezielle Organisationseinheit innerhalb der Klinik für Neurologie im Klinikum Friedrichshafen zur Erstbehandlung von Schlaganfallpatienten, gab er Informationen zur medikamentösen Behandlung. „Ganz wichtig ist, das Rauchen aufzuhören“, fügte er hinzu.

Auf die Anzeichen achten

Kommt es zur Operation gibt es Eingriffe , bei denen die betroffen Gefäße aufgedehnt werden. Außerdem zeigte der Gefäßchirurg im Film die operative Entfernung von lebensgefährlicher Sklerose beziehungsweise Plaque aus der Halsschlagader. Seine Empfehlung: regelmäßig ein Screening der Halsschlagader machen zu lassen, um dem Schlaganfall zuvor zu kommen. „Achten Sie auf die Anzeichen und nehmen Sie auch ein ‚Schlägle‘ nicht auf die leichte Schulter“, gab er den Zuhörern mit auf den Weg. Dabei spiele das Alter des Patienten überhaupt keine Rolle.

Beim Schlaganfall zählt jede Minute: Bei „Medizin am Gleis“ sprachen Professor Dr. Roman Huber (links), Chefarzt der Klinik für Neurologie des Klinikums Friedrichshafen, und Dr. Jan-Gerrit Geisler, leitender Oberarzt der Klinik für Gefäßmedizin und Gefäßchirurgie über Ursachen, Symptome und Therapien. Bild: MCB

Beim Schlaganfall zählt jede Minute: Bei „Medizin am Gleis“ sprachen Professor Dr. Roman Huber (links), Chefarzt der Klinik für Neurologie des Klinikums Friedrichshafen, und Dr. Jan-Gerrit Geisler, leitender Oberarzt der Klinik für Gefäßmedizin und Gefäßchirurgie über Ursachen, Symptome und Therapien.

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Das kleine Stück im Glas hat eine Arterie verstopft: Dr. Jan-Gerrit Geisler (Mitte), leitender Oberarzt der Klinik für Gefäßmedizin und Gefäßchirurgie am Klinikum Friedrichshafen, erläuterte bei „Medizin am Gleis“ die operativen Möglichkeiten im Zusammenhang mit einem Schlaganfall. Bild: MCB

Das kleine Stück im Glas hat eine Arterie verstopft: Dr. Jan-Gerrit Geisler (Mitte), leitender Oberarzt der Klinik für Gefäßmedizin und Gefäßchirurgie am Klinikum Friedrichshafen, erläuterte bei „Medizin am Gleis“ die operativen Möglichkeiten im Zusammenhang mit einem Schlaganfall.

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