Medizin am Glas: Harninkontinenz und Hämorrhoiden

Meckenbeuren (MCB)  Schon die Werbung im Fernsehen zeigt es: Harninkontinenz trifft viele und schafft zunehmend den Schritt aus der Tabuzone. Weniger offen wird über Hämorrhoiden und andere Erkrankungen an der Kehrseite gesprochen.

Beiden Themen widmeten sich die Tettnanger Chefärzte Dr. Christian Fünfgeld, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, sowie  Notker Hackenbruch, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, bei „Medizin am Glas“, der Vortragsreihe des Medizin Campus Bodensee. Mehr als 100 Zuhörer informierten sich und nutzten die Expertise der Spezialisten des zertifizierten interdisziplinäres Kontinenz- und Beckenbodenzentrums – eines der größten in Deutschland.

Millionen Betroffene

Zwischen fünf und sieben Millionen Menschen sind in Deutschland von Harninkontinenz betroffen. „Wir können davon ausgehen, dass bei über 65-Jährigen jede dritte Frau und jeden fünften Mann trifft“, sagte Dr. Fünfgeld. Aber auch jede vierte Frau zwischen 25 und 35 Jahren leidet vorübergehen an Blasenschwäche in Folge einer Entbindung.

Verschiedene Ursachen

Zunächst unterschied Dr. Fünfgeld die belastungsabhängige Inkontinenz und die Dranginkontinenz und sprach anschaulich von einem Verschluss- beziehungsweise einem Speicherproblem. „Während die belastungsabhängige Inkontinenz als Folge schwacher Beckenbodenmuskulatur ohne Harndrang vor allem beim Husten, Niesen oder Hüpfen auftritt, ist die Dranginkontinenz Folge eines überaktiven Blasenmuskels“, erläuterte der Gynäkologe. Bei Frauen können altersbedingter Hormonmangel, Blasenentzündungen, Tumore, Gebärmuttersenkung oder neurologische Erkrankungen zur Dranginkontinenz führen, bei Männern in der Regel eine Vergrößerung der Prostata.

Verschiedenen Therapien

Der erfahrenen Beckenboden- und Kontinenzspezialist stellte die verschiedenen Therapien von Beckenbodentraining über Hormontherapie, medikamentöser Behandlung, Elektrostimulation oder Blasentraining bis hin zur Operation dar. Ist diese nötig, implantiert Dr. Fünfgeld zum Beispiel ein Kunststoffband zum Stützen der Harnröhre. „Hier liegt der Erfolg bei 80 bis 90 Prozent. Der Eingriff dauert zehn Minuten und die Patientin ist nach drei Tagen aus dem Krankenhaus raus“.

Hämorrhoiden hat jeder

„Hämorrhoiden hat jeder und sie sind nicht krankhaft“, begann Dr. Hackenbruch seinen Teil des Vortrags über proktologische Erkrankungen. „Sie können sich aber wie Krampfadern vergrößern.“  Symptome sind Schmerzen, Brennen, Jucken, Blutauflagerungen oder Nässen. Wenn die konservative Therapie nicht mehr greift, kann auch bei Hämorrhoiden eine Operation helfen. Dr. Hackenbruch beschrieb die Stapler-Hämorrhoidopexie, bei der diese durch eine Art Schleimhautlifting wieder in ihre natürliche Ausgangsposition gebracht werden. Bei der Barron-Ligatur wird die weniger stark ausgeprägte Hämorrhoide mit Hilfe eines Gummibands von der Blutversorgung abgeschnitten und der Gewebeteil stirbt nach ein paar Tagen ab.

Rechtzeitig in die proktologische Sprechstunde

Außerdem sprach Dr. Hackenbruch über andere extrem schmerzhafte Krankheitsbilder in seinem Fachgebiet und riet, bei extremen Schmerzen auch die Notaufnahme aufzusuchen. „Scheuen Sie sich nicht, rechtzeitig in die proktologische Sprechstunde zu kommen“, forderte der Chirurg auf. „Sie brauchen keine Angst vor der Untersuchung zu haben."

Weitere Termine

Am Mittwoch, 17. Oktober dreht sich bei „Medizin am Gleis“ ab 19 Uhr alles um das Thema „Schritte auf dem Weg zum Normalgewicht".

Harninkontinenz und Hämorrhoiden: Die Tettnanger Chefärzte Dr. Christian Fünfgeld, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, sowie  Notker Hackenbruch, Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie, referierten bei „Medizin am Glas“ in Meckenbeuren.  Bild: MCB

Harninkontinenz und Hämorrhoiden: Die Tettnanger Chefärzte Dr. Christian Fünfgeld, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, sowie  Notker Hackenbruch, Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie, referierten bei „Medizin am Glas“ in Meckenbeuren.

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Raus aus der Tabu-Zone: Mehr als 100 Interessierte informierten sich bei „Medizin am Gleis“, eine Vortragsreihe des Medizin Campus Bodensee, was sie bei Harninkontinenz oder Hämorrhoiden tun können.  Bild: MCB

Raus aus der Tabu-Zone: Mehr als 100 Interessierte informierten sich bei „Medizin am Gleis“, eine Vortragsreihe des Medizin Campus Bodensee, was sie bei Harninkontinenz oder Hämorrhoiden tun können.

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