Volkskrankheit Sodbrennen

Meckenbeuren – Sodbrennen ist ein Volksleiden, jeder zweite hat es schon einmal erlebt, zum Beispiel, wenn er am Abend zu schwer gegessen oder zu viel Alkohol getrunken hat. Bei der Refluxkrankheit ist die Menge des sauren Magensaftes, der wieder in die Speiseröhre aufsteigt, allerdings krankhaft gesteigert. Über Symptome, Therapien und operative Methoden informierten sich bei „Medizin am Gleis“ in Meckenbeuren, eine Veranstaltungsreihe des Medizin Campus Bodensee, rund 100 Interessierte.

Mit Priv.-Doz. Dr. Thorsten Lehmann, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, und Dr. Enno Rother, Leitender Oberarzt Innere Medizin, Klinik für Gastroenterologie, Onkologie, Endokrinologie und Diabetologie, sprachen zwei ausgewiesene Spezialisten des Klinikums Friedrichshafen.

Diagnose nicht immer einfach

„Die Refluxkrankheit zu diagnostizieren ist nicht immer einfach“, schickte Dr. Rother voraus. Manche Patienten spüren ein Brennen hinter dem Brustbein, andere haben Bauchschmerzen und wieder andere klagen über Probleme im Halsbereich. Bei Alarmsymptomen wie Schluckstörungen, Gewichtsverlust, Blutarmut oder Brustschmerzen setzt der Oberarzt die Endoskopie ein, um Speiseröhre und Magen zu spiegeln. „Weitere Möglichkeiten sind pH-Wert-Messungen oder hochauflösende Drucksondenmessungen in der Speiseröhre.“

Auslöser der Refluxkrankheit

In den meisten Fällen ist eine Erschlaffung des unteren Speiseröhren-Schließmuskels Auslöser der Refluxkrankheit. Die Folge ist, dass er die Speiseröhre nicht mehr ausreichend gegenüber dem Magen abdichtet. Besonders im Liegen und beim Bücken tritt dann saurer Mageninhalt in die Speiseröhre und reizt die Schleimhaut. Die meisten Betroffenen leiden zusätzlich an einem Zwerchfellbruch. „Dadurch schiebt sich der Magen durch die Zwerchfellöffnung der Speiseröhre nach oben in den Brustkorb, woraufhin der untere Schließmuskel der Speiseröhre gedehnt wird und einen Reflux begünstigt“, erläuterte Dr. Rother und zeigte das Spektrum der Symptome auf, die von einer Überempfindlichkeit der Speiseröhre über Schleimhautveränderungen und -verätzungen bis zum Speiseröhrenkrebs reichen.

Medikamente funktionieren nicht immer

Manchmal helfen schon Maßnahmen wie Gewichtsreduktion, Rauch-Stopp, die Erhöhung des Bettkopfteils oder Atemübungen. „Auch der Verzicht auf spätabendliche Mahlzeiten, scharfe Speisen, Zitrusfrüchte oder kohlensäurehaltige Getränke kann die Beschwerden lindern“, so Dr. Rother. Medikamentös kommen Säurebinder und –hemmer (Protonenpumpeninhibitoren – PPI) häufig zum Einsatz. „Die PPI werden zwar als Allzweckwaffe eingesetzt, sie funktionieren aber nicht immer und können auch unerwünschte Nebenwirkungen haben“, sagte Dr. Lehmann.

Refluxzentrum setzt auf neue OP-Methoden

Der Chirurg stellte die operativen Möglichkeiten im Refluxzentrum des Klinikums Friedrichshafen vor. Es ist eines von deutschlandweit 20 auf diese Erkrankung spezialisierten Zentren. Er verglich die herkömmliche Fundoplicatio nach dem Chirurg Rudolf Nissen mit dem neuen LINX®-System. Während bei ersterem das sogenannte Magenohr um die Speiseröhre herumgelegt und festgenäht wird (Wrapping), unterstützt beim LINX®-System ein Ring aus kleinen Titan-Kugeln mit magnetischem Kern den schwachen unteren Schließmuskel der Speiseröhre.  „Die Magnete halten den flexiblen Ring im Normalfall geschlossen und verhindern so den Aufstieg der Magensäure. Gleichzeitig sind sie so beweglich, dass sich der Ring beim Schlucken kurzzeitig öffnet, damit die Nahrung in den Magen gelangt“, erklärte Dr. Lehmann das Prinzip. Allein 2016 wurden im Friedrichshafener Refluxzentrum 50 LINX®-Systeme erfolgreich implantiert – damit ist es eines der größten in Europa.

Nicht jahrelang unter Reflux leiden

Als dritte Möglichkeit nannte Dr. Lehmann den Einsatz eines dem Schrittmacher vergleichbaren Geräts, das Impulse abgibt und den Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre stimuliert. „Das funktioniert aber nur, wenn der Zwerchfellbruch versorgt ist.“ Im Anschluss an den Vortrag nutzten die Besucher ausgiebig die Gelegenheit, um den Spezialisten an Ort und Stelle ihre Fragen zu stellen.  „Es darf nicht passieren, dass Patienten jahrelang unter der Refluxkrankheit leiden“, forderten Dr. Rother und Dr. Lehmann dazu auf, die modernen Formen der Diagnostik zu nutzen.

Nächster Vortrag: Thema Organtransplantation

Der nächste Vortrag der Reihe „Medizin am Gleis“ findet am 13. Juni um 19 Uhr in „Kultur am Gleis 1“ in Meckenbeuren statt. Auf dem Programm steht „Vom Spender zum Empfänger – wichtiges zum Thema Organtransplantation“.

Sodbrennen und Refluxkrankheit: Bei „Medizin am Gleis“, eine Vortragsreihe des Medizin Campus Bodensee, sprachen  Priv.-Doz. Dr. Thorsten Lehmann (links), Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, und Dr. Enno Rother, Leitender Oberarzt Innere Medizin, Klinik für Gastroenterologie, Onkologie, Endokrinologie und Diabetologie am Klinikum Friedrichshafen. Bild: MCB

Sodbrennen und Refluxkrankheit: Bei „Medizin am Gleis“, eine Vortragsreihe des Medizin Campus Bodensee, sprachen  Priv.-Doz. Dr. Thorsten Lehmann (links), Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, und Dr. Enno Rother, Leitender Oberarzt Innere Medizin, Klinik für Gastroenterologie, Onkologie, Endokrinologie und Diabetologie am Klinikum Friedrichshafen.

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