Schmetterling außer Kontrolle

WEINGARTEN – Die schmetterlingsförmige Schilddrüse steuert die Ausschüttung des Hormons Thyroxin. Etwa so groß wie eine Pflaume sitzt sie im Halsbereich vor der Luftröhre. Ist ihre Funktion gestört, leidet nicht nur der Körper, auch die Psyche ist beeinträchtigt. Nicht selten hilft nur eine Operation. Martina Fiederer ist seit fünf Jahren Oberärztin am Krankenhaus 14 Nothelfer in Weingarten und leitet die Abteilung  Endokrine Chirurgie.

Thyroxin hat Einfluss auf Herz und Kreislauf, Wärmeregulation und körperliche Leistungsfähigkeit. „Das Schilddrüsenhormon regelt den Stoffwechsel in vielen Bereichen“, macht Martina Fiederer deutlich. Bei einer Überfunktion der Schilddrüse, zum Beispiel Morbus Basedow, fühlen sich die Patienten nervös und reizbar. Sie haben Herzflattern, nehmen ab und leiden unter Muskelzittern. Die Unterfunktion zeichnet sich hingegeben durch Konzentrationsschwäche und Antriebslosigkeit aus, Stoffwechsel und Nervenaktivität verlangsamen sich. Bei Jodmangel vergrößert sich die Schilddrüse, bildet einen Kropf (Struma) und Knoten aus.

Schilddrüsensprechstunde

Wenn die Patienten zu ihr in die Schilddrüsensprechstunde kommen, ist die Diagnostik durch den Hausarzt, einen Endokrinologen, Internisten oder Radiologen meist abgeschlossen. „Bei mir geht es in erster Linie um die Frage, ob operiert wird und wenn ja, wie viel von der Schilddrüse entfernt werden muss.“, erklärt die Chirurgin.

Nach einer OP: Leben ohne Einschränkung

Der Mensch kann sehr gut ohne Schilddrüse leben, denn das per Tablette eingenommene und gut dosierbare Schilddrüsenhormon entspricht genau dem des Körpers. Das heißt, die Patienten können nach der Operation ohne Einschränkung leben. Im Gegenteil: Den Patienten gehe es in aller Regel besser, da die Überfunktion sofort und endgültig beseitigt wurde beziehungsweise die mechanische Störung durch einen großen Kropf behoben ist. Die Chirurgin operiert außerdem, wenn tumorverdächtige Knoten in der Schilddrüse diagnostiziert werden.

Operation ist ausgesprochen schonend

Rund 150 Schilddrüsen operiert Dr. Fiederer im Jahr. „Es ist mir ein Anliegen, den Patienten – in erster Linie sind es Frauen – die Angst vor der Operation zu nehmen.“ Sie verbringen nur noch drei Tage im Krankenhaus und können direkt nach der OP aufstehen, essen und trinken. „Der Schnitt ist nur noch drei bis vier Zentimeter lang, es werden keine Drainagen gelegt und die Fäden lösen sich von selbst auf“, erläutert sie. Wenn der Knoten nicht zu groß ist, kann auch endoskopisch operiert werden. Dank Lupenbrille und feinster Instrumente zum Gefäßverschluss sei die Operation heute ausgesprochen schonend. Nichts desto trotz braucht die Chirurgin sehr viel Fingerspitzengefühl. „Die Schilddrüse ist vergleichsweise klein und man muss fein präparieren“, denn der Stimmbandnerv liegt in unmittelbarer Nähe.

Auf Nebenschilddrüse achten

Aufmerksam machen möchte die Chirurgin auf die vier bis acht Nebenschilddrüse, die während der OP unbedingt zu schonen sind. Sie produzieren ein Hormon, welches den Kalziumhaushalt regelt und können selbst zum Mittelpunkt werden. „Sind sie vergrößert, leidet der Patient an unspezifischen Symptomen wie Knochenschmerzen, Magengeschwüren, Nierensteinen bis hin zu psychiatrischen Symptomen. Eine Blutuntersuchung mit Blick auf Kalziumwert und Parathormon geben Aufschluss. „Auch hier kann die Operation heilen und es ist einfach schön, wenn die Patienten nach der Operation wieder gesund sind“, so die Chirurgin.

Martina Fiederer ist seit fünf Jahren Oberärztin am Krankenhaus 14 Nothelfer in Weingarten und leitet die Sektion Endokrine Chirurgie. Bild: Wörner

Martina Fiederer ist seit fünf Jahren Oberärztin am Krankenhaus 14 Nothelfer in Weingarten und leitet die Sektion Endokrine Chirurgie.

Bild: Wörner

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