Knapp 200 Interessiert bei Medizin am Gleis zum Thema Schilddrüse

Meckenbeuren (MCB) Das kleine Organ in der Form eines Schmetterlings wiegt zwar nur etwa 20 Gramm, zählt aber zu den ganz Großen, wenn es um unsere Gesundheit geht. Am Mittwoch stand bei „Medizin am Gleis“ des Medizin Campus Bodensee (MCB) die Schilddrüse im Mittelpunkt. Das Interesse der knapp 200 Besucher spiegelte wider, wie viele Menschen von einer Über- oder Unterfunktion betroffen sind. In Deutschland sind etwa zwei Drittel der Bevölkerung betroffen, davon 90 Prozent Frauen.

Etwa so groß wie eine Pflaume sitzt die Schilddrüse im Halsbereich vor der Luftröhre. Professor Dr. Hans-Anton Lehr vom Institut für Pathologie Friedrichshafen erläuterte die Funktion der Schilddrüse, die das Hormon Thyroxin produziert. Es hat Einfluss auf Herz und Kreislauf, die Wärmeregulation und auf die körperliche Leistungsfähigkeit.

Überfunktion, Unterfunktion, Knoten, Tumore

Bei einer Überfunktion der Schilddrüse, zum Beispiel Morbus Basedow, fühlen sich die Patienten nervös und reizbar. Sie haben Herzflattern, nehmen ab und leiden unter Muskelzittern. „Die Unterfunktion, beispielsweise ausgelöst durch die Autoimmunerkrankung Hashimoto Thyreoiditis, zeichnet sich dagegen durch Konzentrationsschwäche und Antriebslosigkeit  sowie durch einen verlangsamten Stoffwechsel aus“, erklärte er und beschrieb den ausgeklügelten Regelkreis zwischen Schilddrüse und Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Neben Über- und Unterfunktion gibt es Tumore und Knoten, von denen aber 90 Prozent gutartig sind.

Diagnostik und Therapie der Schilddrüse

Professor Dr. Christian Arnold, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Onkologie, Endokrinologie und Diabetologie Friedrichshafen, sprach über Funktion, Diagnostik, Erkrankungen und Therapie der Schilddrüse. „Bei einer Überfunktion gibt man Medikamente, die die Produktion des Schilddrüsenhormons reduzieren“, erläuterte er. Dabei müsse die Funktion des Organs zusammen mit den Blutwerten wegen der Nebenwirkungen regelmäßig kontrolliert werden. In jedem Fall sei es eine höchst individuelle Entscheidung. Ist die Schilddrüse entfernt, muss man lebenslang das gut dosierbare, synthetische Hormon L-Thyroxin in Form einer Tablette einnehmen.

Ultraschall und Szintigraphie

Bei den Knoten werden warme, immer gutartige, Schilddrüsenhormon bildende Knoten und kalte Knoten, die kein Hormon bilden, unterschieden. „Die Ultraschalluntersuchung ohne jegliche Strahlenbelastung ist bei der Diagnostik das bildgebende Verfahren der Wahl“, sagte Professor Dr. Arnold. Ergänzend sei manchmal die Szintigraphie erforderlich, bei der ein radioaktives Medikament zum Einsatz komme. Auch die Feinnadelbiopsie, bei der schmerzfrei Zellmaterial aus dem Knoten entnommen wird, dient der Abklärung, ob eine Operation zu empfehlen ist oder nicht. „Die Punktion gibt ähnlich einer Stecknadel im Heuhaufen aber nur eine gewisse Sicherheit“, so der Internist. Fakt sei, dass nicht jeder Knoten operiert werden müsse.

Operation der Schilddrüse

Wie anspruchsvoll die Operation der Schilddrüse ist zeigt die Tatsache, dass sie erst vor etwa 100 Jahren eingeführt wurde und anfangs rund 50 Prozent der Patienten in den ersten Tagen danach verstarben. Priv.-Doz. Dr. Thorsten Lehmann, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie Friedrichshafen, veranschaulichte die komplexe Anatomie des Organs in unmittelbarer Nähe von Stimmbandnerv und Blutgefäßen. „Heute haben wir nur noch einen Schnitt von maximal vier bis sechs Zentimetern, wenn wir die ganze Schilddrüse entfernen. Bei der halben entsprechend weniger.“ Dank Lupenbrille mit 2,8- bis 4,5-facher Vergrößerung und Neuromonitoring zur Stimulation des Stimmbandnervs während der OP hat der Chirurg neben der notwendigen Fingerfertigkeit beste Hilfsmittel. „Bei regelmäßiger Einnahme des Schilddrüsenhormons in Tablettenform haben die Patienten heute eine ganz normale Lebenserwartung“, betonte Dr. Lehmann.

Gute Kooperation mit Partnern

Wichtig seien den Referenten bei der Behandlung der Schilddrüse die Leitlinien der entsprechenden Fachgesellschaften. „Zu Gute kommt uns am Medizin Campus Bodensee die gute Kooperation mit Partnern in Sachen Diagnostik und Therapie in der Region.“

Bei „Medizin am Gleis“ in Meckenbeuren berichteten Spezialisten des Medizin Campus Bodensee (MCB) von der Schilddrüse und den Behandlungsmöglichkeiten (von links): Professor Dr. Christian Arnold, Chefarzt für Innere Medizin an der Klinik für Gastroenterologie, Onkologie, Endokrinologie und Diabetologie in Friedrichshafen, Professor Dr. Hans-Anton Lehr vom Institut für Pathologie am MCB und Privatdozent Dr. Thorsten Lehmann, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie in Friedrichshafen. Bild: MCB

Bei „Medizin am Gleis“ in Meckenbeuren berichteten Spezialisten des Medizin Campus Bodensee (MCB) von der Schilddrüse und den Behandlungsmöglichkeiten (von links): Professor Dr. Christian Arnold, Chefarzt für Innere Medizin an der Klinik für Gastroenterologie, Onkologie, Endokrinologie und Diabetologie in Friedrichshafen, Professor Dr. Hans-Anton Lehr vom Institut für Pathologie am MCB und Privatdozent Dr. Thorsten Lehmann, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie in Friedrichshafen. Bild: MCB

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