Rettungsdienst und Notfallmedizin: Entscheidungen fallen immer im Moment

Meckenbeuren (MCB) Ein Verkehrsunfall, ein lebensgefährlicher Herzinfarkt oder Verdacht auf einen Schlaganfall: Im Notfall ist vor allem der Faktor Zeit entscheidend. Bei „Medizin am Gleis“ im Kulturschuppen in Meckenbeuren, eine Veranstaltungsreihe des "Medizin Campus Bodensee" (MCB), stand das Thema Notfallmedizin im Mittelpunkt. Abseits von Fernsehserien wie „Emergency Room“ und „Dr. House“ erfuhren rund 50 Interessierte, wie Notärzte, Rettungskräfte und Hubschrauberpiloten in der Realität tatsächlich zusammenarbeiten.

Mit Professor Dr. Volker Wenzel, MCB-Zentrumsdirektor und Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, und Oberarzt  Reinhard Stadler, Leiter des Notarzteinsatzfahrzeugs sowie des Rettungshubschraubers Christoph 45 in Friedrichshafen, sprachen zwei ausgewiesene Notfallspezialisten. Stadler informierte über das ausgeklügelte Zusammenspiel der Rettungskräfte, koordiniert von der integrierten Rettungsleitstelle. „Bei ihr geht der Notruf 112 ein.“ Weniger bekannt dürfte die Telefonnummer 19222 sein. In Verbindung mit der Vorwahl könne man beispielsweise den Rettungsdienst im Wohnort der betagten Eltern alarmieren, wenn es ihnen nicht gut geht.

So schnell wie möglich zum Patient

Vom Krankentransportwagen über Rettungswagen, Notarzteinsatzfahrzeug und Rettungshubschrauber bis zum Intensivtransporthubschrauber stellte Reinhard Stadler die verschiedenen Transportmittel samt ihrer jeweiligen Ausstattung vor. Dabei gelte immer die Devise, so schnell wie möglich beim Patient zu sein. Zehn bis 15 Kilometer schafft ein Rettungswagen innerhalb von 15 Minuten. 50 Kilometer legt der Hubschrauber in derselben Zeit zurück.

Fallbeispiele aus der Notfallmedizin

Einblicke hinter die Kulissen eröffnete Professor Dr. Wenzel. Er las einige spannende Beiträge aus dem Buch „Fallbeispiele Notfallmedizin“, das er 2015 herausgegeben hat. So ging es um zweijährige Zwillinge, die in den Gartenteich gestürzt waren. Mit Herzstillstand und stark unterkühlt konnten die Kinder nach drei Stunden Wiederbelebungsmaßnahmen gerettet werden. Aber nicht immer geht es gut aus. „Je jünger der Patient ist, desto schwerer fällt es uns, den Tod zu akzeptieren“, las Professor Wenzel das Fazit eines Falls, bei dem ein Junge nach einer Achterbahnfahrt auf dem Rummelplatz plötzlich bewusstlos in sich zusammensackte und nicht mehr reanimiert werden konnte. 

Wie ehrlich soll der Notarzt sein?

„Wie ehrlich sollen wir mit den uns anvertrauten Patienten sein, insbesondere wenn der Kontakt nur kurz ist, wie so häufig in der Notfallmedizin?“, fragt der Notarzt, der zu einem Mann gerufen wurde, der an der Oberleitung einer Bahnlinie Kontakt mit 14 000 Volt Strom hatte. Der Verletzte hatte zwar starke Schmerzen, war aber bei vollem Bewusstsein. Der Notarzt forderte ihn dazu auf, an etwas Schönes zu denken, bevor er ihm die Narkose gab, aus der er nicht mehr aufwachte. Hinterher habe sich der Notarzt gefragt, ob diese Entscheidung richtig gewesen sei. „Vielleicht hätte der Mann noch eine wichtige Nachricht für seine Familie gehabt?“ Gehandelt hat er nach einer Devise in der Notfallmedizin: Positiv kommunizieren und keine falschen Hoffnungen wecken.

Zeit bedeutet Leben

Deutlich wurde, dass Notfallmediziner immer im Moment entscheiden müssen. Dabei sei die Bewertung im Nachhinein immer einfacher, als nach vorne zu entscheiden. Obwohl auch bei der Arbeit von Notärzten vieles  Routine ist, Absprachen im Team sind nötig – und das alles in maximaler Geschwindigkeit. „Zeit bedeutet in dem Fall nicht Geld, sondern Leben“, so Professor Wenzel.

Thema Notfallmedizin bei „Medizin am Gleis“ in Meckenbeuren: Professor Dr. Volker Wenzel (links), Zentrumsdirektor und Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Klinikum Friedrichshafen, und Oberarzt  Reinhard Stadler, Leiter des Notarzteinsatzfahrzeugs sowie des Rettungshubschraubers Christoph 45 in Friedrichshafen, berichteten aus der Praxis. Bild: MCB

Thema Notfallmedizin bei „Medizin am Gleis“ in Meckenbeuren: Professor Dr. Volker Wenzel (links), Zentrumsdirektor und Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Klinikum Friedrichshafen, und Oberarzt  Reinhard Stadler, Leiter des Notarzteinsatzfahrzeugs sowie des Rettungshubschraubers Christoph 45 in Friedrichshafen, berichteten aus der Praxis. Bild: MCB

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