MCB-Patientenvortragsreihe „Medizin am Gleis“ zu Kopfschmerzen und Migräne

Meckenbeuren (MCB) Sind das noch Kopfschmerzen oder ist das doch schon Migräne? Bei „Medizin am Gleis“,  der Patientenvortragsreihe des „Medizin Campus Bodensee“ (MCB), drehte sich alles um das Thema Schmerz und wie am besten mit ihm umgegangen werden kann.

Zunächst beleuchtete Dr. Christiane Schwickert, Oberärztin der MCB-Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie und Leiterin der Schmerztherapie im Klinikum Friedrichshafen, den Unterschied zwischen Migräne und Spannungskopfschmerz. „Häufige Kopfschmerzen reduzieren die Lebensqualität, schränken die sozialen Aktivitäten ein und sind mit der Einnahme von Medikamenten verbunden“, schickte sie voraus. Während eine vier bis 72 Stunden andauernde Migräneattacke mit Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit sowie einer Schmerzzunahme bei körperlicher Aktivität einhergeht, tritt der dumpf-drückende Spannungskopfschmerz ringförmig auf und hat kaum Begleitsymptome und hängt oft mit einer erhöhten Anspannung der Nackenmuskulatur zusammen.  „Er ist zwar häufiger als die Migräne, aber nicht ganz so schmerzhaft.“

Stress oder Stressabfall, mangelnder oder unregelmäßiger Schlaf, Hormone, Wetterwechsel, Alkohol und Ernährung – die Auslöser für Migräne sind vielfältig. „Ort des Geschehens sind Nervenzellen und Blutgefäße im Gehirn. Die Nervenzellen schütten Botenstoffe aus, die mit den Wänden der Blutgefäße reagieren“, erläuterte die Schmerzspezialistin. Das Resultat sei ein starker Schmerz bei jedem Pulsschlag. Neben gängigen Schmerzmitteln werden in der medikamentösen Therapie vor allem Triptane eingesetzt. „Man sollte sie jedoch nicht mehr als zehn Tage im Monat einnehmen, sonst kann ein  medikamenteninduzierter Kopfschmerz entstehen“, gab Dr. Schwickert zu bedenken.

 „Werden Sie selbst Experte für Ihre Schmerzerkrankung“

Dr. Christiane Weber, Anästhesistin und Leiterin der Schmerzmedizin der Klinik Tettnang, sprach über die Möglichkeiten der Migräne-Prophylaxe.  „Die medikamentöse Prophylaxe reduziert die Kopfschmerztage und damit die Einnahme der Akutmedikamente.“ So lassen sich der medikamenteninduzierte Kopfschmerz und eine Chronifizierung vermeiden. „Wichtig ist, mit einer niedrigen Dosierung zu beginnen. Lassen Sie sich Zeit“, forderte Dr. Weber auf und berichtete, dass 70 Prozent der Betroffenen darauf ansprechen. Größere Erfolge sein durch eine Kombination mit nichtmedikamentösen Behandlungen, wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen oder Yoga, Ausdauersport, Biofeedback, kognitive Verhaltenstherapie und Akupunktur festzustellen. „Werden Sie Experte für Ihre Kopfschmerzerkrankung und setzen sich realistische Ziele“, gab Dr. Weber den Zuhörern mit auf den Weg.

Praktische Übungen

Ganz praktische, leicht in den Alltag zu integrierende Übungen, brachte Karin Räppe, Leiterin des Therapiezentrums Friedrichshafen/Tettnang, zum Patientenvortrag in den Kulturschuppen mit. „Spannungskopfschmerz kann von der Hals- oder Brustwirbelsäule ausgelöst werden. Oft ist er haltungsbedingt“, so Räppes Erfahrung. Hilfreich sei, bereits erste Anzeichen wahrzunehmen und mit einer kleinen Übung zu reagieren. „Beobachten Sie Ihren Atem. Schon das nimmt Spannung von außen“, lautete ein Tipp. Als einfache Mittel zum Ableiten des Schmerzes aus dem Kopf empfahl die Physiotherapeutin ein kaltes Fußbad und das Rollen der Füße über einen Tennisball. Einen besonderen Schwerpunkt legt sie auf Körperwahrnehmung, eine gute Haltung und die Kombination von Anspannung und Entspannung. Wie Dr. Weber hält auch sie ihre Patienten zu einem sanften Ausdauertraining an. „Suchen Sie sich etwas aus, das Ihnen Spaß macht.“

Nächster Vortrag: Patientenverfügung

Der nächste „Medizin am Gleis“-Patientenvortrag findet am Mittwoch, 20. September, statt. Dann geht es um Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.

Was lässt sich gegen Kopfschmerzen und Migräne tun (von links): Dr. Christiane Weber, Anästhesistin und Leiterin der Schmerzmedizin der Klinik Tettnang, Karin Räppe, Physiotherapeutin und Leiterin des Therapiezentrums Friedrichshafen/Tettnang, und Dr. Christiane Schwickert, Anästhesistin und Leiterin der Schmerztherapie im Klinikum Friedrichshafen sprachen beim Patientenvortrag „Medizin am Gleis“ in Meckenbeuren. Bild: MCB

Was lässt sich gegen Kopfschmerzen und Migräne tun (von links): Dr. Christiane Weber, Anästhesistin und Leiterin der Schmerzmedizin der Klinik Tettnang, Karin Räppe, Physiotherapeutin und Leiterin des Therapiezentrums Friedrichshafen/Tettnang, und Dr. Christiane Schwickert, Anästhesistin und Leiterin der Schmerztherapie im Klinikum Friedrichshafen sprachen beim Patientenvortrag „Medizin am Gleis“ in Meckenbeuren. Bild: MCB

Weitere Informationen

Spannungskopfschmerz - Selbsthilfeprogramm

(Vortrag K. Räppe)

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